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Noiva do Cordeiro Umkleidekabine. Da es für die Dorfbewohner*innen umständlich ist, außerhalb des Dorfes Klamotten zu kaufen, hat eine der Frauen in einem Nebenraum der Fabrik einen kleinen Laden eröffnet in dem Klamotten und Schmuck verkauft werden.

Noiva do Cordeiro ist eine Gemeinschaft von ca. 300 Frauen, Männern und Kindern ca. 100km südlich von Belo Horizonte, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Minas Gerais. Der Ursprung des Dorfes liegt bei Maria Senhorina, die Ende des 19. Jh entgegen dem Willen ihrer Eltern und den Gepflogenheiten der Zeit nicht mit ihrem Ehemann, sondern dem Mann den sie liebte, leben wollte. Um diesen Wunsch leben zu können, zog sie mit ihrem Geliebten ins "Nirgendwo", dorthin, wo heute Noiva do Cordeiro steht. Und wurde zudem von der katholischen Kirche mit allen Nachkommen bis in die 4. Genration exkommuniziert. In den 1950er Jahren konvertierte Pastor Anizio, der sich von den Baptisten abgewendet und seine eigene Kirche "Noiva do Cordeiro" gegründet hatte, das Dorf. Es folgten 40 Jahre strenges Regime, das u.a. besonders die Rechte der Frauen einschränkte. Beginn der 90er Jahre wurde die Kirche in einer "sanften Revolution" abgeschafft. Delina, der Frau des Pastors gelang es, die Gemeinschaft auch ohne Religion und in Freiheit zusammen zu halten. Heute wird sie als Matriarchin der Gemeinschaft geschätzt und verehrt, bekleiden Frauen alle wichtigen Positionen im Dorf und Männer sind unter der Woche größten Teils auswärts arbeiten.